
Das Blackberry Curve 8900
Da ist es also, mein neues Smartphone. Die Packung ist schlicht und klein und schwarz, darin befinden sich neben dem Blackberry und der üblichen CD mit Software für Windows und Mac ein zierliches Netzteil mit auswechselbaren Endstücken für eine einer Handvoll internationaler Steckdosen ein Stereo-Headset und sogar ein ganz solides Kunstlederetui, das anfangs ein wenig sehr knapp sitzt – keine Sorge, nach einer guten Woche legt sich das.
So weit, so gut. Schauen wir uns einfach mal das Gerät selbst von außen an.
Äußerlichkeiten
Das Curve 8900 ist erstaunlich zierlich, es wirkt auf Bildern immer viel mächtiger. Außerdem ist es richtig flach – man kann es gut in so ziemlich jeder Tasche verstauen, es liegt außerdem sehr gut in der Hand. Ich konnte anfangs kaum an mich halten, das 8900 nicht ständig in der Hand herumzutragen. Manche Blackberryfans schaffen es scheinbar nie, damit aufzuhören.
Neben der QWERTZ -Tastatur fällt wohl das 2,4 Zoll große, extrem hochauflösende 480×360 Pixel-Display auf. Zwar stellt es nicht Millionen, sondern nur 65000 Farben dar, aber das fällt in der Praxis kaum auf. Es ist nicht so hell wie das Display des iPhone oder des großen Blackberry Bold, die Darstellung von Bildern und Text ist dafür gestochen scharf.
Die gute Verarbeitung fällt gleich auf, da wackelt und quietscht gar nichts – die Tasten haben wenig Spiel und lösen präzise aus; gerade nach jahrelangen Erfahrungen mit Geräten großer finnischer Hersteller eine ganz angenehme Erfahrung. Fühlt sich gut und wertig an. Ausnahme: die reichlich dünne Akkuabdeckung, die andere Tester wackelig fanden, bei mir saß sie fest. Vielleicht liegt es daran, dass das 8900 Curve nun schon eine Weile im Handel ist und RIM ein paar Details in der Fertigung verbessert hat. Dahinter ist neben der SIN-Karte auch der Platz für die Micro-SD Karte (eine mit 1GB war bei mir mitgeliefert), mit der man den Speicher erweitern kann. Man muss zum Wechseln leider das Gerät öffnen, allerdings darf dabei der recht großzügig dimensionierte 1500mA Akku an seinem Platz bleiben.
Auf der Kopfseite finden sich Knöpfe für die Stummschaltung und Tastatursperre, links gibt es eine frei mit Funktionen belegbaren Komforttaste; standartmäßig liegt darauf die Spracherkennung. Rechts gibt es einen handelsüblichen 3,5mm Kopfhörerausgang (keine RIM-eigene Buchsen-Norm, danke sehr!), einen Taster für die Kamera, Lautstärkeregelung und einen Micro-USB Port für die Verbindungen mit Netzteil oder Computer. Über dem Display liegt der Lautsprecher und das Blackberry-typische Lämpchen, das den gestressten Besitzer über verpasste Anrufe, Emails und so ziemlich alles andere an Ereignissen diskret mit verschiedenfarbigem Blinken informiert. Auch typisch: Der kleine Trackball über den Tasten, mit dem man sich durch das System manöviert.
Bedienung mit Tastatur und Trackball
Ich habe schon eine Menge verschiedener Handytastaturen vor mit gehabt, von den klassichen kleinen Tastenfeldern mit T9-Texterkennung und ohne, über die QUERTZ-Volltastatur eines Palm Treo bis hin zum Softwarekeyboard am iPhone – ich muss sagen: Ich war nicht darauf vorbereitet, wie gut Texteingabe mit einer Blackberrytastatur funktioniert. Die anderen Hersteller haben sich ganz offensichtlich nicht einmal ansatzweise so sehr mit der Ergonomie ihrer kleinen Hackbretter beschäftigt wie Blackberry-Hersteller RIM. Die Tasten sind nicht nur sehr gut zu treffen, sie sind auch ein wenig zur Mitte hin angeschrägt, was die Präzision verbessert. Ich brauchte ein wenig Zeit zur Eingewöhnung, zugegeben – vor allem was die etwas exzentrische Eingabe von Umlauten angeht – aber seitdem kann ich wirklich in Windeseile tippen. Beeindruckend; dazu kommt eine recht treffsichere Rechtschreibprüfung. Der “klickbare” Trackball dient als Eindaumen-Eingabegerät, was sich als sehr praktisch erweist, wenn man gerade nur eine Hand frei hat und z.B. ein Datum im Kalender eingeben muss – sehr angenehm. Ich mache mir allerdings Sorgen, was die Verschmutzung des Trackballs angeht – schauen wir mal.
Die Bedienung des Blackberry OS ist auch von der Softwareseite her bequem zu bedienen; auf große Klickorgien braucht man sich nicht einzustellen- in den meisten Fällen. Leider ist RIM wohl noch nicht ganz mit der Modernisierung des Systems fertig – wenn man tiefer ins System eindringt und z.B. die “Erweiterten Optionen” bearbeiten will, wird mit kilometerlangen Listen und tief verschachtelten Menüs im Stil der 90er Jahre konfrontiert. Damit kann man arbeiten und zum Glück stört es nicht im Alltagsbetrieb, dennoch: Es ist doch ein weiterer Makel, den Blackberry OS 5.0 im Herbst hoffentlich ausradieren wird.
Telefonieren kann man auch mit einem Blackberry – und das funktioniert sogar ziemlich gut, der Empfang ist durch die Bank hervorragend, man versteht seinen Gesprächspartner und klingt wohl auch selbst ganz gut. Der Monolautsprecher ist sehr laut, was nicht nur für wirklich durchdringende Klingeltöne sorgt, sondern auch im Freisprechmodus praktisch ist. Der
Das 8900 Curve lässt sich angenehm flott benutzten, es gibt kaum Momente, in denen die Arbeitsgeschwindigkeit unerträglich langsam wird. Nur die schneckenhafte Bildergalerie stich negativ heraus. Übrigens verkraftet das Blackberry durchaus eine Handvoll gleichzeitig laufender Anwendungen ohne großartige Probleme; es ist also kein Problem nebenher einen Instant Messenger wie ICQ oder GoogleTalk in Betrieb zu haben.
Der große Akku ist ein dicker Pluspunkt; selbst wenn man gelegentlich Filme macht, WLAN und Bluetooth aktiviert lässt und dauernd in einem halben Dutzend Messenger Netzwerke und vielleicht noch in Facebook angemeldet bleibt, sollte der Akku einen guten Tag lang mit Sicherheit halten. Der Otto-Normaluser mit Email, Kalender, SMS und gelegentlichen Gesprächen sollte sogar einige Tage mit einer einzigen Ladung aushalten; die angegebene Stand-By Zeit von fast einer zwei Wochen sollte ansatzweise realistisch sein, ebenso wie etwas über 5 Stunden purer Gesprächszeit. Wenn man nicht zu viel mit dem BB herumspielt – was wie gesagt nicht ganz einfach ist. Wer lässt schon sein Smartphone zwei Wochen lang liegen oder telefoniert ausschließlich damit? Genau. Ich nämlich auch nicht.
Das Blackberry 8900 ist kein UMTS Gerät, das erklärt teils die beachtliche Akkuperformance. Anstatt dessen setzt man auf die auch vom ersten iPhone bekannte langsamere EDGE-Norm, eine Art aufgebohrtem GRPS-Standart. Davon merkt man selten etwas – etwa beim Videostreaming von YouTube oder beim Hochladen von größeren Bildern. Als Emailanhang hingegen verarbeitet das Curve auch dicke Brocken tadellos und ohne lange Wartezeiten.
Dafür klinkt sich das Smartphone automatisch in bekannte WLAN Netzwerke ein. Beim ersten Versuch kann es ein paar Minuten dauern, dafür muss man sich in Zukunft mit großer Sicherheit nie wieder damit beschäftigen.
Wirklich gut: Das GPS Modul findet erfreulich schnell Satelliten und reagiert flink auf Ortswechsel; dabei scheint der Akku auch nicht über Gebühr zu leiden. Dabei funktionieren kostenlose Navigationslösungen wie Google Maps oder -wenn man denn geprochene Anweisungen braucht – Nav4All deutlich besser als die reichlich lahme eingebaute “Karten” Applikation alias BlackBerry Maps.
Im nächsten Teil des Tests werde ich unter anderem mehr über die Multimedia-Funktionen des 8900 schreiben.
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